Europäische Mastersmeisterschaften in Caorle, Eraclea und Jesolo vom 5. – 15. September oder das italienische Organisationschaos!

3. September 14:30 Uhr: Ankunft in der Lagune von Venedig. Schwerbepackt in der rechten Hand das Fahrrad und in der linken die gesamte Zehnkampfausrüstung stehe ich etwas verwirrt zwischen Hunderten von chinesischen, japanischen, arabischen usw. Touristen in Venedig. Verzweifelt suche ich die Brücke zum Festland, denn es eilt. Ich muss vor Einbruch der Dunkelheit in Caorle sein, 73 km entfernt.
Bei angenehmen 25 Grad stürze ich mich in den Verkehr. Zum Glück sind die Italiener fahrradaffin und respektieren die Drahteselritter. Kurz nach Jesolo finde ich einen Radweg und tausche Auspuffgase gegen Möchtegernschnellfahrradfahrer.

4. September: Ich bin wieder auf dem Fahrrad. Tolle Vorbereitung für einen Zehnkampf. Ich hole die Akkreditierung in Jesolo. Hin und zurück wieder über 60 km.

5. September: Erster Zehnkampftag, später Beginn um 13:30 und noch späteres Ende um ca. 21 Uhr.  Obwohl ich im 100 m und 400 m Lauf unerklärlich langsam bin (wahrscheinlich gehen in Italien die Stoppuhren anders) kann ich im Weit- und Hochsprung Punkte gutmachen. Im Hochsprung lande ich mit 1,63 m sogar einen Disziplinensieg.

6. September: Zweiter Zehnkampftag, später Beginn um 14:45 und kein Ende!! Hürden und Diskus leider völlig versemmelt. Dass es noch schlechter kommt liegt aber nicht an mir sondern am Wetter. 16:30 Uhr Stabhochsprungbeginn, zumindest theoretisch denn die M50 blockiert unsere Anlage, nicht ein paar Minuten sondern 3 ½ Stunden!! 20 Uhr: Wir schlendern ziemlich steif ob der Kälte und der über 4stündigen Wartezeit mit unseren langen Stäben zur Anlage. Leider hat das Wetter etwas gegen unseren Stabhochsprungbeginn. Es schüttet, es blitzt, es donnert. Ein Ende ist nicht abzusehen. Nun kommen die italienischen Organisationschaoten ins Spiel. Sie sind überfordert. Einfach abbrechen geht nicht, dann wäre der Wettkampf zu Ende. Speerwerfen und 1500 m Laufen wollen wir aber noch.  Also lässt man uns warten und wir warten bis 22 Uhr. Darin haben wir ohnehin schon Übung. Jetzt gibt es ein neues Problem. Der Wettkampf sollte um 24 Uhr beendet sein. Stabhoch, Speer und 1500 m in 2 Stunden geht aber nicht. Verzweifelt wird mit dem Organisationschef telefoniert und endlich eine Entscheidung. Jeder darf die Anfangshöhe von 1,80 m springen. Damit kann der Wettkampf fortgesetzt werden.
Manche machen absichtlich Fehlversuche, denn Stabhoch im Regen ist eine gefährliche Angelegenheit. Ich habe vor drüber zuspringen. Düse Richtung Anlage, rutsche nach dem Einstich gleich mal einen halben Meer beim Stab ab und quäle mich mit einer Mischung aus doppeltem Wälzer und einfachem Rittberger über die Stange. Geschafft! Der Speerwurf läuft zufriedenstellend und den 1500 m Lauf kurz vor 24 Uhr beende ich als Zweiter in eher desmotivierten 5:37 min.  Danach wurde verlautbart, dass die, die nächsten Tag noch Zeit haben, um 10 Uhr den Stabhochsprung weiterführen können. Da bin ich aber schon, wieder schwerbepackt, mit dem Fahrrad Richtung Salzburg unterwegs. Geblieben ist ein 7. Rang und die nüchterne Tatsache, dass ich mein Ziel, zweitbester Österreicher in  der ewigen Bestenliste der M55 nach Georg Werthner zu sein, nicht erreicht habe. Dazu fehlen mit die Stabhochsprungpunkte.

15. September: Halbmarathon. Nach 4 Tagen und 450 km war ich  mit dem Fahrrad wieder in Salzburg. 2 Tage später wieder in Jesolo. Diesmal mit dem Auto und Maria, die für den Halbmarathon gemeldet war. Interessant war der Start zum Halbmarathon, denn der erfolgte 5 min zu früh. Ein absolutes No-go. Ein paar waren noch am WC, andere auf der Aufwärmrunde und wiederum andere machten noch ein paar Selfies. Man kann es hier vorwegnehmen, Maria lief 1:34,32 und landete damit auf dem guten 6. Rang. Eine Zeit unter 1:30 hätte für eine Medaille gereicht, den die drittplatzierte lief 1:30,03. Die Siegerin in 1:22,48 lief irgendwie in einer anderen Laufwelt! Eine schnellere Zeit hat die große Hitze von 27 Grad verhindert.

HKI und MM

Author:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert