Aus welchem Grund auch immer – bei allen war die Luft draußen, nur bei dreien nicht. So etwas gilt dann nicht nur für den ASV in Bezug auf den Rennsteiglauf, sondern folgerichtig auch für die Anfahrt in den Thüringer Wald in Gestalt des benutzten Automobils. Bei allen Reifen war die Luft (halbwegs) draußen, nur bei dreien nicht. Mit manchmal Stehenbleiben und Nachpumpen kommt man ganz gut bis Suhl. Mit der zusätzlichen Idee, das am Freitagnachmittag beim Hotel abgestellte Fahrzeug im Laufe des Samstags (Wettkampftag!) zwischenzeitlich zur Tankstelle zu bewegen um einen kompletten Sonntagspatschn zu vermeiden, wäre eigentlich das Wesentliche geregelt. Mit diesem Plan waren die Überreste der ASV-Rennsteigbegeisterung genau genommen auch schon wieder rechtzeitig und wohlbehalten daheim angekommen.
Mit dem Rennsteiglauf haben wir uns trotzdem noch beschäftigt. Und zwar bereits am Anfahrtstag mit außergewöhnlich zeitiger Startnummernabholung in Oberhof. Manchmal lehnt man sich gerne zum Fenster hinaus, manchmal möchte man ein wenig auf Nummer Sicher gehen: in der Tat war in alter Reimser Manier eine Abordnung aus zwei Halbmarathonläufern im Einsatz, die nicht deckungsgleich mit der Meldeliste war. Auch wenn diesmal zumindest niemand dem Rudi die M60-Wertung wegschnappen konnte, sollte alles so vernünftig wie möglich ablaufen. Wir haben also ganz ehrlich zugegeben, dass neben Andrej Keglevic kein ruhmreicher Eliteblockläufer aus Leopoldskron, sondern Rennsteigdebütant Andreas Lainer auf die Strecke gehen werde. Es half alles nichts: Beflissen wurde der unbescholtene Neuling Samstagfrüh von Ordnern in den Eliteblock der Halbmarathon-Startaufstellung gezerrt, um sich danach noch möglichst vor dem Start so viele Reihen wie möglich nach hinten zu kämpfen. Man will einen fairen Wettkampf und um Himmels willen keinen hinderlichen Einfluss darauf nehmen.
Sonst ist aber nichts passiert, auch wenn auf der Startnummer „Michael“ und nicht „Andreas“ stand – die Zuschauer haben das freundlich toleriert und einen Zieleinlauf nach 1:45:05 registriert.
Andrej Kegelevic startete praktisch unmittelbar vom Höhentrainingslager am Kraterrand des Ätna kommend in den Tiefen des Hauptstarterfeldes. Er absolvierte den Slalom rund um Sportler und über Wurzeln in 1:47:26 und auch schon wieder zum dritten Mal, man wird nicht jünger.
In Neuhaus am Rennweg war alles wie immer, also so wie erwünscht. Das bedeutet: mit Showmaster Hans-Peter Müller, der 2018 in Schmiedefeld, nun ja – nicht war. Mit unseren gekränkten Gefühlen lagen wir im Vorjahr nicht außerhalb des Trends: es ist noch vor dem Schneewalzer extra jemand auf die Bühne gekommen, um der Enttäuschung über die vorjährige Läuferparty Ausdruck zu verleihen und den Hans-Peter zur Rückkehr nach Schmiedefeld zu ermutigen. Bei allem Pathos – der Marathon war noch zu absolvieren und es war knapp, aber knapp daneben ist auch vorbei. Stephan Granat schrammte letztlich um drei Sekunden am (im Anlassfalle selbst gestifteten) Präzisionspreis vorbei. Drei Sekunden – das sind 0,023 Prozent! Ein wenig innehalten und Bäume schauen, ein dritter und ein vierter Schluck Köstritzer an der Verpflegungsstelle Frauenwald und an Stelle der 3:37:30 wäre das unmöglich Scheinende erschienen. Und wenn es schon keine Pokale, Lorbeerkränze oder Lebkuchenherzen zu holen gab: bester Österreicher! Ist an diesem Tag aber medial untergegangen und daher hier nochmals erwähnt.
Kein Präzisionspreis, somit war die Luft draußen und falls in der Tat jemand glaubt, wir hätten uns am Tag der Fischbrötchen um das vierte Rad am Wagen gekümmert: Oida! Der Ton auf der Party – obschon wieder ohne Hans-Peter – war übrigens sehr in Ordnung. 37mal Schneewalzer, 279mal Rennsteiglied, 18.553mal Rennsteiglauf-Hymne – kann man wieder hingehen, nächste Chance am 16. Mai 2020. Es sind noch fünf ASV-Plätze im Michel Hotel frei. Und das vierte Rad? Wurde mitsamt dem Nagel, der dabei half, das Leck zu verschließen und nicht zu viel Luft auszulassen zur Tankstelle getragen. Und auch wieder zurück.
@SG
