Mit Bangen kontrollierten alle Ultraläufer seit Tagen die Wetterprognose für den 22.6. – Wird die Hitzewelle mit über 35°C rechtzeitig zu Ende gehen?! Entpuppt sich der Mozart100 als die österreichische Variante des Marathon de Sables?! Mohamad Ahansal, der mehrfache Sieger dieses Wüstenrennens hatte seine Teilnahme ja auch angekündigt. Der Wettergott hatte Einsehen mit den Ultras! Fast den ganzen Tag über bedeckter Himmel und 20-25°C machten es den Teilnehmern, zumindest was die äußeren Rahmenbedingungen betraf, leicht. Damit blieben "nur" mehr 2.200 hm auf den 100 km, die es zu überwinden galt.
Dieser Herausforderung stellten sich heuer Rudi Kranawitter und Christian Mlinar. Christian lief seinen ersten 100er, nachdem er erst vor 4 Wochen die 73km des Rennsteiglaufes bewältigt hatte. Rudi wollte nach seinem Abbruch bei 60km der österreichischen Meisterschaft im 100km Lauf, erst vor einer Woche, einiges gut  machen. Der Respekt vorm Mozart100 war bei beiden groß. Rudi wusste nach seinem Antreten im letzten Jahr was ihn erwartete; Christian ahnte, dass es heftig werden könnte.
Um 5:00 erfolgte der Start am Mozartplatz. In lockerem Lauf wurden die ersten km heruntergespult. Die erste Hürde in Form eines längeren knackigen Anstiegs war auf dem Weg hinauf zur Schwaitl zu nehmen; der Weg durch die Glasenbachklamm war aufgrund der Hochwasserschäden noch gesperrt. Über mehrere Steigungen und Bergabpassagen rollte das sich in die Länge ziehende Feld der 160 Starter Richtung Westufer des Fuschlsees. Von dort ging es über Hof und Koppl, vorbei am Nockstein wieder zurück nach Salzburg. Waren es die angenehmen Temperaturen oder das erfolgreiche Training in den letzten Wochen: die 45km der ersten Runde liefen Rudi und Christian schneller und lockerer als erwartet. Auf Platz 10 bzw. 13 liegend, mit einem Abstand von 2 Minuten, ging’s auf die zweite, diesmal 55km-Runde. Auf dieser konnte Rudi das Tempo und auch seine hervorragende Platzierung halten, während Christian etwas Lehrgeld zu zahlen hatte. Vor allem die Bergabpassagen brachten die Muskulatur an ihre Grenzen und die Läufer zum Drosseln des Tempos. Dank der mentalen Unterstützung von Michi Holzner und Michael Rinnerthaler konnte Christian aber alle Tiefs ("ICH WILL NICHT MEHR LAUFEN!") und Hochs ("Gemma, jetzt ziang ma des Tempo no amoi an") schadlos überstehen.
Zwischen km 55 und 60 gab’s für Rudi eine Schrecksekunde, eine Unachtsamkeit sorgte für einen Sturz, der böse ausgehen hätte können. Mit Hautabschürfungen und blutigen Händen (mit denen läuft man Gott sei Dank nicht) ging es nach diesem plötzlichen Adrenalinausstoß weiter bis zum Fuschlsee. Die Seeumrundung zehrte an seiner Moral, vielleicht weil’s auch verkehrt herum ging, und nachdem ihn bei km 80 auch noch ein altbekannter direkter Konkurrent einholte und der linke Oberschenkel kurz zu krampfen begann, schien auch für ihn der Traum von einer guten Zeit beendet zu sein. Doch nach der Steigung nach Hof („the wall“) fühlte er sich wie neu geboren und wusste dass es geschafft war und es gab nur mehr ein Ziel, die 10 Stundenmarke musste geknackt werden. Nach 9 Stunden und 54 Minuten erreichte er den Mozartplatz als gesamt 10. und verbesserte seine Vorjahreszeit um 37 Minuten. Einfach unglaublich welche Energie noch in einem geschundenen Körper steckt, sie muss nur vom Kopf einen Einsatzbefehl bekommen.

Nach 10 Stunden und 29 Minuten als gesamt 20. auf dem Mozartplatz in Ziel zu laufen und von Familie und Freunden begrüßt und gefeiert zu werden entschädigte Christian nicht nur für die Schmerzen auf den 100km sondern auch für die nicht immer einfachen Trainingseinheiten in den letzten Wochen und Monaten. Ein lange gehegtes persönliches Ziel war damit erreicht! – Das macht Lust auf Mehr!!!

Anton Stockmaier hatte die richtige Wahl getroffen und sich nach seinem Abbruch am Rennsteig statt bei einem Motivationsseminar für die 55km beim Mozart100 angemeldet. Diesmal blieben ihm die massiven muskulären Probleme der letzten Rennen grösstenteils erspart; gewisse Schmerzen sind bei einem Ultra-Lauf über 55 km ja immer inklusive. So lief er in 5:52:35 als gesamt 37. (7. der AKIII) locker lässig ins Ziel. Das hegt bei Rudi und Christian die Hoffnung, dass der ASV bei den nächsten Meisterschaften im 100km-Lauf als Team vertreten sein könnte.

Über die 25km des Mozart100 light lief Maria Morales, die sich offensichtlich in einem lauftechnischen Dauerhoch befindet, auf den sehr starken 4. Rang der Damen-Wertung (Gesamt 21.). Ihr Pech war, dass der Veranstalter zwei Damen des run2gether-Teams verpflichtete, welche der Konkurrenz auf und davon liefen (Gesamt 6. und 8. Platz!). Der ASV-Obmann kündigte an, Maria noch heuer zu einer Marathon-Teilnahme "zwingen" zu wollen. So eine Form muss genützt werden!

Apropos Form: diese fehlte Mohamad Ahansal, dem oben erwähnten und im Internet als großer Favorit angekündigten Ultraläufer offensichtlich. Er kämpfte sich trotzdem mit einer Zeit knapp unter 10 Stunden  – einen Platz hinter Rudi – ins Ziel. Auch ein Zeichen von Stärke!

Großes Lob an den Veranstalter: der Mozart100 mauserte sich bereits bei seiner zweiten Austragung zu einer großen Veranstaltung.
Und falls der Veranstalter es schafft im nächsten Jahr das Bier im Zielraum auf trinkbare Temperaturen herunter zu kühlen, kann man getrost schon von einem Klassiker sprechen.

@ cmkr         Ergebnisse

Author:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert